Urban Mining – die Stadt als Rohstofflager der Circular Economy

4. Dezember 2019

Städte bedecken zwar nur 2% der Erdoberfläche, benötigen aber ganze 75% unserer Ressourcen. Das bedeutet, dass bereits heute z. B. im Falle London die 125-fache Fläche der Stadt genutzt werden muss, um Ressourcen für die Stadt herzustellen. Bei einer wachsenden Weltbevölkerung wird dieses Problem sich zukünftig verstärken. Gregor Grassl hat einen Lösungsansatz für dieses Problem: Die Stadt als Kreislaufwirtschaft.

Die Stadt als Kreislaufwirtschaft – ganzheitlicher Ansatz für eine wachsende Weltbevölkerung

Bald werden aktuelle Methoden zur Herstellung lebenswichtiger Rohstoffe nicht mehr ausreichen. Der ganzheitliche Ansatz der Kreislaufwirtschaft bietet eine Lösungsmöglichkeit dafür: Er hat den Anspruch, weiterhin Geschäfte zu machen, aber damit gleichzeitig die Welt zu verbessern. Wenn heute eine Immobilie gekauft wird, hat das Gebäude einen immensen Wertverlust. Der ausschlaggebende Faktor für Wertzuwachs ist aktuell die Lage.

Anliegen von Drees & Sommer ist es, das zukünftig zu ändern. Der Wert der Immobilie soll durch die verbauten Ressourcen generiert werden, die zugleich auch für neue Projekte zur Verfügung gestellt werden können. Die Gebäude der Städte werden so zu neuen Rohstofflagern.

Urban Mining
Mit Kreislaufwirtschaft und Urban Mining werden Städte zu neuen Rohstofflagern. Photo by Ivan Bandura on Unsplash
Heute ist in jeder mittelgroßen europäischen Stadt mehr Kupfer enthalten als in einer durchschnittlichen Kupfermine.


Dieses Verständnis existierender Gebäude als Rohstoffquelle würde bedeuten, dass weniger Ressourcen der Natur entnommen werden müssen. Stattdessen werden die bereits vorhandenen Ressourcen in einen Kreislauf überführt. Wie beim Wandel zur Smart City ist auch hierfür Co-Creation extrem wichtig. Smarte Gebäudetechnik sollte nicht nur eingebaut werden, um den Bewohnern die beste Erfahrung zu ermöglichen oder Informationen für die Nutzer zu generieren. Datamining und GIS Modelle müssen genutzt werden, um Übersichtkarten zu erstellen die zeigen:

  • In welchen Gebäuden welche Materialien in welcher Menge enthalten sind
  • Wann sie für die Wiederverwendung verfügbar werden

Die Dokumentation von Gebäudekomponenten ermöglicht nachhaltigen Rückbau – und hat riesiges Marktpotential

Derzeit wird nur 1% aller verwendeten Rohstoffe wirklich recycelt, der Rest wandert in Downcyclingprozesse, thermische Verwertung oder auf die Deponie. Der Rückbau dieser Rohstoffe bietet momentan noch ein kaum genutztes Geschäftsmodell mit einem riesigen Marktpotential. Dafür müssen jedoch Recycling-Prozesse optimiert werden und der Einsatz, Aufbau und Verbindung verschiedener Materialien innoviert werden. Das Resultat wäre die Nutzung von vorhandenen Materialien ohne Qualitätsverlust bei einem günstigeren Marktpreis.

Schon heute haben Gebäude einen Energieausweis. Um die Kreislaufwirtschaft Wirklichkeit werden zu lassen, schlägt Gregor Grassl einen zusätzlichen „Material-Passport“ vor. Er weist genau aus, welche Materialien im jeweiligen Gebäude verbaut sind, was der Nachwelt einen nachhaltigen Rückbau ermöglicht. Gebäude sind nicht für die Ewigkeit, ihre Komponenten jedoch schon.

Lisa Kohl

Business Development Manager / Corporate Strategy, Messe München