Logistikimmobilien: Trends und Herausforderungen
Logistikimmobilien führten lange Zeit eher ein Schattendasein auf den Immobilien- und Immobilieninvestmentmärkten. Das hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Inzwischen sind diese Gewerbeimmobilien gefragter denn je. Die EXPO REAL trägt dieser Entwicklung mit dem Schwerpunktthema Logistikimmobilie im Konferenzprogramm Rechnung. Die hier von Experten aus der Logistikbranche diskutierten Themen greifen Trends und Entwicklungen im Bereich Logistikimmobilien auf und befassen sich mit den Anforderungen an diese Gewerbeimmobilien. Zudem sind zahlreiche Aussteller aus dem Bereich Logistikimmobilien auf der EXPO REAL vertreten.
Logistikimmobilien – ein Begriff für unterschiedliche Gebäude
Eine Logistikimmobilie wird oft mit einer großen Lagerhalle gleichgesetzt. Tatsächlich macht ein reines Warenlager nur einen Teil dieser Immobilien aus. Die Logistikimmobilie dient in der Regel der Versorgung produzierender Unternehmen mit Rohwaren oder der Lagerung von Fertigwaren. Häufig werden diese Lagereinrichtungen durch Montagetätigkeiten und ähnliche Prozesse ergänzt. Deshalb wird im Englischen der Begriff „warehouses“ dem Bereich „(light) industrial“ zugeordnet.
Die wohl häufigsten Arten von Logistikimmobilien sind Umschlagsimmobilien und Distributionszentren. Umschlagsimmobilien, auch Cross Docks genannt, dienen meist dazu, eingehende Waren aus dem Fernverkehr in den Nahverkehr umzuschlagen. Damit befinden sich die Waren kurze Zeit in den Umschlagslagern, werden hier neu zusammengestellt und wieder ausgeliefert. Diese Immobilien weisen eine geringe Hallenhöhe und Hallentiefe auf, sind jedoch mit einer hohen Anzahl an Toren ausgestattet, um die Wege für den Warenumschlag möglichst kurz zu halten.
Distributionszentren, auch als Verteil- oder Versandzentren bezeichnet, verbinden die Funktion der Lagerhalle mit der auftragsgerechten Warenverteilung. Sie können für die regionale und überregionale Verteilung zuständig sein. Diese Hallen sind meist höher und tiefer und verfügen über mehr Tore als eine einfache Lagerhalle.
In letzter Zeit ist immer öfter die Rede von der Last-Mile-Logistik. Die „letzte Meile“, das letzte Stück des Transportweges, bis der Kunde seine Lieferung erhält, ist häufig der teuerste Abschnitt des Transports. Daher sucht man nach Lösungen, Logistikeinrichtungen näher dorthin zu bringen, wo viele Kunden beliefert werden wollen. Doch gerade in Städten und stadtnah sind Flächen knapp und zudem teuer. Insofern sind entsprechende Immobilien nach wie vor rar.
Unabhängig von den genannten Arten der Logistikimmobilien gibt es noch solche mit Spezialanforderungen, wie beispielsweise Kühllager oder Gefahrgutlager. Für diese speziellen Logistikimmobilien gelten gesonderte bauliche und gesetzliche Anforderungen. Daher werden sie meist nur maßgeschneidert (built-to-suit) entsprechend den Anforderungen des Auftraggebers errichtet.
Vom Aschenputtel zu Investor’s Darling: der Aufstieg der Logistikimmobilien
Lange Zeit rangierten Investments in Industrie- und Logistikimmobilien deutlich hinter Büro- und Handelsimmobilien. Doch seit 2012 stieg der Anteil dieser gewerblichen Assetklasse am gesamten Transaktionsvolumen kontinuierlich an und schob sich auf die Spitzenposition. 2024 belief sich das Transaktionsvolumen auf 7,7 Milliarden Euro – nochmals sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Damit entfielen mehr als ein Viertel aller gewerblichen Investment auf dieses Segment. Daran änderte sich auch in den ersten neun Monaten 2025 wenig: So summierten sich nach Angaben von CBRE bis Ende September die Investitionen in Industrie- und Logistikimmobilien auf 4,4 Milliarden Euro und lag damit ein Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Drei Viertel der Investitionen entfielen sowohl 2024 als auch 2025 auf internationale Investoren.
Während das Volumen weitgehend stabil blieb, ist die Zahl der Transaktionen gestiegen – mit anderen Worten: Die durchschnittliche Größe der Deals ist zurückgegangen. Zugenommen hat zudem die Nachfrage nach Spezialprodukten wie Außenlager (Industrial Outdoor Storage) und Cross-Docking-Immobilien.
Warum nimmt die Bedeutung von Logistikimmobilien immer mehr zu?
Gründe für den Aufschwung der Logistikimmobilie vom Aschenputtel zu Investor’s Darling und die hohe Nachfrage nach Logistikflächen sind:
- hochgradige Arbeitsteilung
- verringerte Lagerhaltung der produzierenden Unternehmen – Stichwort: Just-in-Time-Anlieferung
- Globalisierung und die damit verbundene weltweite Vernetzung der Wirtschaft
- zunehmender Online-Handel
Logistikimmobilien der Zukunft: Wie wird sich die Branche entwickeln?
Aufgrund der wirtschaftlichen Lage und der wenig rosigen Aussichten auf baldige Besserung sank der Flächenumsatz 2024 auf 5,4 Millionen Quadratmeter – das waren knapp 16 Prozent weniger als im Vorjahr und lag fast ein Viertel unter dem Zehnjahresdurchschnitt. 2025 verbesserte sich die Situation leicht – in den ersten neun Monaten des Jahres konnten 4,3 Millionen Quadratmeter umgesetzt werden. Wichtigste Gruppe derer, die Flächen nachfragen, sind Logistikdienstleister – auf sie entfallen 41 Prozent der Vermietungen.
Trotz leicht gestiegener Vermietungsumsätze steigt auch die Leerstandsquote an und lag Mitte des Jahres 2025 bei 3,3 Prozent. Gleichzeitig ziehen jedoch erstmals seit 2021 die Projektentwicklungsaktivitäten wieder an. Nach Angaben von JLL kamen in den fünf größten Logistikregionen – Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Man, Hamburg und München – rund 290.000 Quadratmeter Lagerflächen fertiggestellt und befanden sich rund 650.000 Quadratmeter im Bau. Der steile Anstieg der Spitzenmieten ab 2021 hat sich jedoch deutlich verlangsamt, so dass im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr in 13 Regionen die Mieten stabil geblieben sind. Deutliche Zuwächse bei den Mieten waren in Berlin (24 Prozent) und im Rhein-Neckar-Raum (17 Prozent) zu beobachten.
Logistikimmobilien – Trends und Herausforderungen
Klimaneutralität und Umweltverträglichkeit ist bei allen Arten von Immobilien ein beherrschendes Thema, also auch bei der Logistikimmobilie. Das gilt nicht nur bei der Errichtung dieser Gewerbeimmobilien, sondern auch für den Betrieb und den eventuellen Rückbau. Ebenso sind Logistikimmobilien heute keine einfachen Lagerhallen mehr, sondern „smarte“ Gebäude, in denen Energieverbrauch, Licht, Wasser und Heizung digital gesteuert werden. Doch nicht nur dafür brauchen Logistikflächen aller Art eine digitale Infrastruktur – auch die fortschreitende Automatisierung und die zunehmende Digitalisierung der Logistik erfordern den Anschluss an eine „breite Datenautobahn“.
Wohin steuert der Markt für Logistikimmobilien?
Ein Thema, das die gesamte Logistikbranche beschäftigt, ist die so genannte letzte Meile, die größtenteils etwas länger als eine Meile (1,6 Kilometer) ist. Nicht nur Unternehmen, Restaurants, Supermärkte und der Handel wollen beliefert werden, sondern auch private Haushalte, die sich an die Möglichkeiten der Online-Bestellung gewöhnt haben. Gerade der Online-Handel ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen, und die Konsumenten erwarten heute, dass ihre Bestellungen möglichst zeitnah geliefert werden. Da die meisten Konsumenten in den Städten und Metropolregionen leben, braucht man vor allem hier Distributions- oder Verteilzentren so nah wie möglich an den potenziellen Kunden. Hinzu kommt, dass gerade in Städten und städtischen Regionen der Verkehr mehr als dicht ist und die Vielzahl der Lieferfahrzeuge zusätzlich zum Verkehrschaos beiträgt. Eine Lösung für die City-Logistik wäre, zusätzliche Umschlagplätze zu schaffen, von denen aus Stadtteile oder Quartiere beliefert werden können – vielleicht sogar mit einem Lastenfahrrad statt mit einem Lkw. Doch in Städten und Metropolregionen sind Flächen rar und zudem teuer. Es mag die eine oder andere Möglichkeit geben, beispielsweise alte Kaufhäuser oder nicht mehr genutzte Fabrikgebäude in solche kleinen Verteilzentren umzufunktionieren, aber das ist bislang eher die Ausnahme als die Regel.
Zudem ist die Akzeptanz von Logistikeinrichtungen im Umfeld von Wohngebieten bei der Bevölkerung oftmals gering – aus Angst vor noch mehr Verkehr. Ob die Umstellung auf Elektro- oder Wasserstofffahrzeuge diese Akzeptanz erhöht, bleibt abzuwarten. Diese Veränderung jedoch erfordert bei vielen Logistikobjekten wiederum die Einrichtung von Ladestationen oder Wasserstofftankstellen – eine Entwicklung, die unter Umständen schneller kommt als gedacht.
Was bietet die EXPO REAL zum Thema Logistikimmobilien?
Als ein Segment des Marktes für Gewerbeimmobilien waren Logistikimmobilien immer schon ein Bestandteil der internationalen Fachmesse für Immobilien, Investitionen und Infrastruktur. Mit der wachsenden Bedeutung als Assetklasse ist das Thema Logistik auch hier weiter in den Vordergrund getreten.
Welche Aussteller können auf der EXPO REAL im Bereich Logistikimmobilien gefunden werden?
Auf der EXPO REAL findet man bekannte, auf Logistikimmobilien spezialisierte nationale und internationale Projektentwickler. Ebenso sind auf der Messe Investoren vertreten, die in Logistikimmobilien anlegen, und Standorte, die offen für Logistikansiedlungen sind.
Ein Schwerpunkt für das Thema Logistikimmobilien auf der EXPO REAL ist der Gemeinschaftsstand LogRealCampus, an dem unter anderem auch die Logix Initiative Logistikimmobilien beteiligt ist. In dieser Initiative haben sich namhafte Persönlichkeiten und Unternehmen der Branche zusammengeschlossen und setzen sich für den Dialog, die Forschung und ein verbessertes Image von Logistikimmobilien in der breiten Öffentlichkeit ein. In den Forschungsarbeiten und Publikationen widmet sich die Logix Initiative einer Vielzahl an relevanten und aktuellen Branchen-Themen wie z. B. dem kommunalen Dialog oder dem Klimaschutz. Hier finden Sie das Ausstellerverzeichnis der EXPO REAL.
Themen, die die Branche bewegen
Mit Logix arbeitet die Messe München eng zusammen, auch und gerade bei der Gestaltung des Konferenzprogramms. So diskutierten 2025 Experten unter dem Stichwort „Let’s Talk Logistics“ über "Trends in der Logistikimmobilie" und über „Nearshoring und Re-shoring – Die Auswirkungen auf die europäischen Logistikmärkte“. Das komplette Konferenzprogramm finden Sie hier.
Mit dem Logix Award werden seit 2013 Logistikimmobilien in Deutschland ausgezeichnet, die den Ansprüchen von Nutzern und Investoren in hohem Maße gerecht werden. Die Verleihung des Logix Awards findet alle zwei Jahre auf der EXPO REAL statt. Die nächste Verleihung wird auf der EXPO REAL 2027 stattfinden.