Messebereich Wohn­immobilien: ein Markt mit Heraus­forderungen

Miniaturmodell eines modernen dreistöckigen Bürogebäudes mit Solarmodulen, Bäumen und Parkplatz in einer städtischen Umgebung.

Steigende Mieten und Preise sowie Wohnungsmangel sind die Stichworte, die seit langem den Wohnimmobilienmarkt beherrschen. Ein weiteres Feld ist die energetische Sanierung des Wohnungsbestands. Doch gleichzeitig ist der Wohnungsbau deutlich rückläufig, bedingt durch höhere Finanzierungskosten, steigende Preise für Materialien und den Mangel an Fachkräften. In diesem herausfordernden Umfeld bietet die EXPO REAL die Möglichkeit für Austausch, Diskussion und Orientierung rund um das Thema Wohnimmobilien.

Was bietet die EXPO REAL zum Thema Wohnimmobilien?

Die internationale Fachmesse für Immobilien, Investitionen und Infrastruktur bietet für alle, die beruflich mit dem Thema Wohnen befasst sind, eine Plattform, sich über Trends und Entwicklungen, Innovationen und Anforderungen zu informieren und mit anderen Experten auszutauschen.

Welche Aussteller sind auf der EXPO REAL zum Thema Wohnimmobilien vertreten?

Rund 50 Wohnungsunternehmen haben sich für die EXPO REAL 2025 angemeldet. Das Spektrum reicht von dem wohl größten privaten Wohnungsunternehmen in Deutschland, der Vonovia, über Wohnungsgesellschaften der öffentlichen Hand und großer Unternehmen bis hin zu gemeinnützigen Wohnungsgesellschaften, man findet aber auch Anbieter für studentisches Wohnen, Micro Living, Co-Living und Serviced Apartments, komplett ausgestattete Wohnungen, die für unterschiedliche Zeiträume buchbar sind. Ebenfalls trifft man Unternehmen, die sich nicht nur mit einzelnen Wohnungsprojekten und -objekten, sondern mit der Entwicklung von ganzen Quartieren befassen. Und nicht zuletzt eine Vielzahl von Kommunen, also diejenigen, die Bauland für Wohnzwecke ausweisen müssen. Lohnend ist auch ein Blick auf jene Aussteller, die digitale Lösungen beim Planen und Bauen anbieten, und jene, die sich mit der Klimawirksamkeitsanalyse von Immobilien befassen.

Programmpunkte rund um das Thema Wohnimmobilien

Der neue Ausstellungsbereich Flexible Housing in Halle B3 wird von einer Ausstellung zu kostengünstigem, ressourcenschonendem und nachhaltigem Wohnen begleitet. Auf der dazugehörigen Bühne werden sowohl der dringende Handlungsbedarf als auch praktikable Lösungen zum Wohnungsbau diskutiert.

Auch im Konferenzprogramm steht die Frage nach bezahlbarem Wohnen im Mittelpunkt. Das gilt nicht nur für Wohnraum generell, sondern auch für die Angebote für Senioren, deren Zahl kontinuierlich steigt. Sie sind die Gruppe, die den durchschnittlich höchsten Flächenverbrauch hat, jedoch oft, weil ein Umzug in eine kleinere Wohnung inzwischen oft teuer ist als eine große Wohnung, in der man schon seit Jahren und Jahrzehnten wohnt.

Eine Gruppe von Rednern spricht bei einer Pressekonferenz vor einem Präsentationsbildschirm zu ihrem Publikum.
© Messe München GmbH
Pressegespräch auf der EXPO REAL 2023 zum Thema „Qualität planen. Zukunft bauen.“ mit Klara Geywitz – Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (2. v.R.) in der Halle A2 am Stand A2.220 von BPD.

Wohnimmobilien – eine vielfältige Assetklasse

Eine Wohnimmobilie ist ein Gebäude mit Räumen, die in erster Linie dem Wohnen dienen. Wohnraum ist ein menschliches Grundbedürfnis und unterliegt als Privatsphäre zugleich einem besonderen Schutz.

Welche Arten von Wohnimmobilien gibt es?

Allerdings hat beim Stichwort Wohnimmobilien jeder ein etwas anderes Bild vor Augen. Eine Wohnimmobilie kann ein freistehendes Ein- oder Zweifamilienhaus mit Garten rundum sein, ein Reihenhaus oder ein Mehrfamilienhaus – letzteres ist überwiegend in Städten anzutreffen, wobei die einzelnen Wohnungen Mietwohnungen oder Eigentum der Nutzer sind. In Deutschland leben die meisten Menschen in solchen Mehrfamilienhäusern, nur ein Drittel der Bevölkerung in Einfamilienhäusern. Zu unterscheiden ist auch zwischen Wohneigentum und Mietwohnungen. Gut die Hälfte der Bevölkerung (52,8 Prozent) lebte 2024 in Deutschland zur Miete und die Forderung nach bezahlbarem Wohnen bezieht sich fast ausschließlich auf den Mietwohnungsmarkt.

Eine Sonderform des Wohnens sind Tiny Houses (winzige Häuser) mit einer Wohnfläche zwischen 15 und 45 Quadratmetern. Die Idee stammt ursprünglich aus den USA. In Deutschland werden Tiny Houses vor allem von Anhängern eines minimalistischen Wohnens genutzt, dienen aber oft auch als Gäste- und Wochenendhäuser oder als Studentenwohnungen.

Eine etwas andere Wohnform sind Mehrgenerationenhäuser, in denen Menschen unterschiedlichen Alters und in unterschiedlichen Lebenssituationen zwar ihre jeweils individuellen Wohnräume haben, aber gemeinschaftliche Räume als Treffpunkt auch gemeinsam genutzt werden.

Und nicht zuletzt gibt es das „betreute Wohnen“, wo man barrierefreien Wohnraum mieten kann und je nach Bedarf bestimmte Hilfs-, Service- und Pflegeleistungen buchen kann.

Ein beleuchtetes Architekturmodell eines stufenförmigen, mehrstöckigen Gebäudes mit Dachbegrünung und verschwommenen Menschen im Hintergrund.
© Messe München GmbH
Modell „SAWA“ City of Rotterdam – am Stand von Holland Metropole in der Halle A2.

Aktuelle Entwicklung auf dem Wohnimmobilienmarkt

Seit Anfang des Jahrtausends kennt der Wohnimmobilienmarkt bei Preisen und Mieten nur eine Richtung: steigend. Vor allem bei Mietwohnungen in den Städten wird das Angebot immer knapper, die Nachfrage jedoch bleibt unverändert hoch. Ursachen sind die zunehmende Urbanisierung – die Zahl der Menschen, die in Städten leben, stieg von rund 70 % im Jahr 2000 auf über 77,9 % im vergangenen Jahr –, eine wachsende Bevölkerung – 2025 leben knapp 83,5 Millionen Menschen in Deutschland, rund 3,5 Millionen mehr als 2011 – sowie ein zunehmender Trend zu Singlehaushalten – von insgesamt 40.998 Haushalten im Jahr 2024 waren 17.048 Einpersonenhaushalte (41,5 %).

Zwar ist der Bestand an Wohnungen seit 2010 um rund 3 Millionen Einheiten gewachsen, doch seit 2022 ist der Wohnungsbau rückläufig – nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag 2024 die Zahl der Fertigstellungen bei 251.900 Wohneinheiten – 14.4 % weniger als im Vorjahr. Für 2025 gehen die Prognosen davon aus, dass rund 200.000 bis 205.000 Wohneinheiten fertig gestellt werden. Für einen Hoffnungsschimmer sorgt die wieder gestiegene Zahl der Baugenehmigungen – so wurden im ersten Halbjahr 2025 der Bau von 110.000 Wohnungen – 2,9 % mehr als im Vorjahreszeitraum – genehmigt.

Besonders angespannt ist die Lage bei „bezahlbarem Wohnraum“. Von 2017 bis Anfang 2025 sind bundesweit rund 200.000 Sozialwohnungen aus der Sozialbindung herausgefallen und sinkt der Bestand an geförderten und entsprechend günstigen Wohnungen. Ende 2024 gab es nur noch rund 1,05 Millionen öffentlich geförderte Wohnungen, obwohl der soziale Wohnungsbau gegenüber dem Vorjahr um etwa ein Viertel auf 61.887 Einheiten angestiegen ist.

Der Mangel an (bezahlbarem) Wohnraum sowie die immer weiter steigenden Mieten haben zunehmend auch wirtschaftliche Auswirkungen. Unternehmen haben Schwierigkeiten, Fachkräfte zu finden und zu einem Umzug zu bewegen, denn gerade in wirtschaftlich starken Regionen wird es immer schwieriger, eine Wohnung zu finden. Aus diesem Grund erleben sogenannte Werkswohnungen – Wohnungen, die das jeweilige Unternehmen für Mitarbeiter stellt, eine Renaissance.

Wohnungsinvestmentmarkt

Während die Mieten weiter steigen, erlebte der Markt für Wohneigentum ab 2023 einen deutlichen Preisrückgang. Nach einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft verbilligten sich Eigentumswohnungen 2023 um 8,9 %, Einfamilienhäuser um 11,3 % und Mehrfamilienhäuser um 20,1 % und 2024 um nochmals 1,5 %, 1,6 % beziehungsweise 3 %. Diese Preisrückgänge waren eine Folge der rückläufigen Nachfrage. Konnten potenzielle Eigentümer lange Zeit von niedrigen Hypothekenzinsen profitieren, stiegen diese seit 2022 von 1 % auf rund 4 % an. Der Sinkflug scheint derzeit gestoppt, die Preise ziehen moderat wieder an.

Seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts zog sich die öffentliche Hand zunehmend aus dem Wohnungsmarkt zurück und überließ das Feld weitgehend der Privatwirtschaft. Wohnungsgesellschaften der öffentlichen Hand wurden privatisiert, es entstanden rendite-orientierte private Wohnungsgesellschaften, internationale Investoren und Fondsgesellschaften drängten auf den Markt. Lagen entsprechende Investments in den Jahren 2015-2020 bei durchschnittlich 16,6 Milliarden Euro jährlich, so 2023 sank das Investitionsvolumen für Wohnungsbestände mit über 30 Einheiten auf 5,23 Milliarden Euro. 2024 stiegen sie erneut um 77,7 % auf 9,295 Milliarden Euro an. In den ersten neun Monaten 2025 erreichten die Investments 6,3 Milliarden Euro. Damit liegen die Transaktionen zwar immer noch unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, dennoch ist Wohnen die umsatzstärkste Assetklasse.

Waren es 2023 vor allem kleinteiligere Investments (bis 25 Millionen Euro), die deutlich zunahmen und zu gut einem Viertel zum Transaktionsvolumen beitrugen (im Durchschnitt der letzten zehn Jahre lag der Anteil bei etwa 14 %), so dominierten 2024 Transaktionen über mehr als 100 Millionen Euro (knapp 60 % der Investments gegenüber 38,6 % im Jahr 2023), fielen in den ersten drei Quartalen 2025 aber wieder auf 37,1 % zurück.

Ebenfalls verschoben hat sich die Struktur der Anleger: US-amerikanisches Kapital zeichnet für etwa ein Viertel des Transaktionsvolumens verantwortlich, deutlich mehr als in der Vergangenheit, während der Anteil deutscher Investments auf zwei Drittel sank – er lag in der Vergangenheit bei durchschnittlich drei Viertel des Transaktionsvolumens.

Herausforderungen für den Wohnungsbau und die Wohnungsmärkte

Dämpfend auf den Wohnungsbau, aber auch auf die Wohnungsmärkte wirken einerseits die steigenden Baukosten, hohe Grundstückspreise, der Mangel an Fachkräften und die höheren Finanzierungskosten, andererseits die Vielzahl der Vorschriften und Regulierungen, die das Bauen immer komplizierter und damit auch teurer machten. Eine Straffung und Vereinfachung dieses Regelwerks werden von allen, die sich mit Wohnimmobilien beschäftigen, seit Jahren angemahnt, insbesondere dann, wenn es um das bezahlbare Wohnen geht.

Hinzu kommt die Forderung nach mehr Nachhaltigkeit auch und gerade bei Wohnungsgebäuden. Das ist bei Neubauten inzwischen kaum mehr ein Diskussionspunkt. Problematischer sieht es dagegen beim Wohnungsbestand aus. Hier liegt die Rate der energetischen Sanierung nach wie vor bei rund 1% jährlich – das entspricht etwa 500.000 Wohneinheiten –, müsste aber mindestens doppelt so hoch sein, um die Klimaziele – bis 2045 soll der Gebäudebestand klimaneutral sein – zu erreichen. Auch hier wirken gestiegene Material- und Finanzierungskosten sowie der Mangel an entsprechenden Handwerkern eher bremsend als fördernd. Andererseits wird der energetische Zustand der Wohngebäude künftig ein entscheidender Faktor bei Bewertung eines Wohnungsobjekts sein.

Eine Gratwanderung ist derzeit auch die Finanzierung eines Wohnbauvorhabens, sei es Neubau, sei es Sanierung. Für Projektentwickler ist eine entsprechende Baufinanzierung teurer geworden und die Frage ist, ob und wieweit er seine gestiegenen Kosten über den Preis oder die Miete wieder einspielen kann. Die Zeiten, in denen Käufer einer Wohnimmobilie Schlange standen, sind vorbei. Und die allgemeine politische und wirtschaftliche Verunsicherung sowie Inflation und steigende Zinsen lassen potenzielle Käufer eher zögerlich sein und/oder zumindest härter verhandeln. Und auch bei den Mieten ist der Spielraum begrenzt, die Kosten für Modernisierung und Sanierung umzulegen.

Eine Frage ist, wie sich die ESG-Anforderungen, die auch an Wohnungsunternehmen gestellt werden, auf den Markt auswirken werden. Vor allem das S (Social Responsibility) bedarf noch einer Konkretisierung, denn soziale Verantwortung kann sich nicht nur auf die eigenen Mitarbeiter beziehen, sondern auch auf die Mieter, die ebenfalls zu den Stakeholdern gehören, sowie auf das Gemeinwohl.

Ein detailliertes Architekturmodell eines modernen mehrstöckigen Hauses mit Terrassen, Grünanlagen und einem umlaufenden Pool.
© Messe München GmbH
Zum Seitenanfang