Denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne ...

19. Juni 2020

Wie hat sich unser Alltag nach der Pandemie verändert? Erste Zahlen deuten den Wechsel ins Homeoffice als erfolgreich umgesetzten Schritt an, sowohl was die Arbeitsprozesse als auch die Zufriedenheit von Mitarbeitern angeht. Aber um auch die Wiedereröffnung bzw. -nutzung gewerblicher Flächen ebenso erfolgreich umzusetzen, ist sorgfältige Planung nötig. Digitale Lösungen könnten dabei der Schlüssel zu einer neuen Büronormalität sein – auch wenn die Branche die sinkende Nachfrage nach Büroflächen spüren dürfte.

Vorderer Blick auf ein Bürogebäude mit einer Reihe dunkler Holztische, die unter großen Fenstern stehen. Massive Deckenleuchten.

Zurück an den Schreibtisch!?

Nach langen Wochen im Homeoffice heißt es in diesen Tagen für viele Arbeitnehmer „zurück an den Schreibtisch im Büro“. Doch bleibt dort alles, wie wir es vor dem März 2020 gewohnt waren?

Facebook und Google haben sich bereits festgelegt: Ihre Mitarbeiter werden größtenteils bis Jahresende im Homeoffice bleiben, Twitter stellt es seinen Mitarbeitern frei, ob sie daheim oder im Büro arbeiten wollen. In einer Umfrage der TH Köln aus der ersten Aprilhälfte äußerten sich 74 % der 903 befragten Arbeitnehmer im Homeoffice zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit ihrer aktuellen Situation. 21 % waren mittelmäßig und nur 5 % unzufrieden. Für 36 % der Befragten war es die erste Homeoffice-Phase in ihrem Berufsleben!

Und auch für die Arbeitgeber lief die abrupte Umstellung auf bis zu 100 % Homeoffice besser als erhofft: Obwohl beispielsweise rund 90 % der Mitarbeiter der Credit Suisse von daheim aus arbeiteten, meldet die Bank keine ernsthaften Probleme bei IT und Tagesgeschäft. Kundenservices und Betrieb waren trotz der deutlich voltatileren Märkte mit gestiegenen Handelsvolumina stabil in der gewohnten Qualität verfügbar. Da wird die Rückkehr ins Büro mitunter unerfreulicher als erwartet.

„Adapt, Evolve, Improve“

Insbesondere die bisher verschiedentlich favorisierten Großraumbüros mit flexibler Platzbelegung („smart work“) sind bei der Konfrontation mit einem durch die Luft übertragenene Virus ein suboptimales Konzept, wie sich anhand der Ausbreitung in einem südkoreanischen Großraumbüro mit 100 Arbeitsplätzen zeigt.

Deshalb erfordert die Rückkehr ins Präsenzbüro Planung und Implementierung von Hygiene- und Abstandsregelungen. Savills hat die Wiedereröffnung bzw. -nutzung gewerblicher Flächen in drei Phasen unterteilt: Adapt, Evolve, Improve – zu Deutsch in etwa „Anpassung, Entwicklung, Optimierung“. „Der Weg zurück ins Büro ist kein Rück-, sondern ein Fortschritt für unsere Arbeitswelten, denn eine notwendige Veränderung setzt Agilität, Flexibilität sowie Kreativität voraus und beschleunigt Transformationsprozesse. Sowohl von den Nutzern als auch von den Eigentümern ist Adaptionsfähigkeit gefragt“, so Panajotis Aspiotis, Managing Director und bei Savills zuständig für die Office Agency Germany.

Neue Büronormalität – digital gelöst

Welche Maßnahmen notwendig sind, das variiert je nach Unternehmensgröße und -kultur, in Abhängigkeit von den jeweiligen Arbeitsprozessen sowie der Aufteilung und Verfügbarkeit von Flächen. Das fängt an bei der Aufstellung von Wegeplänen für Foyers und Treppenaufgänge (bevorzugt „Einbahnstraßenregelungen“) und reicht bis hin zu digitalen Lösungen, die Nutzern mittels eines QR-Codes ermöglichen, sich in den von ihnen genutzten Räumen an- und abzumelden, um so notfalls Kontaktketten identifizieren zu können. Außerdem wird dadurch transparent, welche Räume und Kontaktflächen besonders intensiv frequentiert werden, so dass die Desinfektionsmaßnahmen angepasst werden können. „Unsere digitale Lösung ist fertig entwickelt, erprobt und bereits in der Apleona-Zentrale in der Anwendung. Investitionskosten und der Implementierungsaufwand sind vergleichsweise niedrig, so dass diese Software ein wesentlicher Baustein für COVID-19 adäquates Arbeiten im Büro und Teil der neuen Büronormalität unserer Kunden werden kann“, beschreibt Apleona CEO Dr. Jochen Keysberg das Potential der neuen digitalen Lösung.

Nachfrage nach Büroflächen sinkt

Trotz des Potentials an klugen Problemlösungen ist es nicht unwahrscheinlich, dass Corona einen deutlichen Einschnitt hinsichtlich der Nachfrage nach Büroflächen markieren wird. Sollte tatsächlich langfristig rund 25 % der Angestellten im Homeoffice verbleiben, erwartet Dr. Günter Vornholz von der EBZ Business School in Bochum zukünftig flexiblere Bürokonzepte bei reduzierter Flächennachfrage, wodurch auch die Mieten unter Druck gerieten. Die Entwicklung in diesem Szenario würde mittelfristig auch auf die Investmentmärkte durchschlagen und Preisrückgänge auslösen.

Es bleibt also spannend – stay tuned!

Stephanie von Keudell

Freie Journalistin