Baukosten optimieren – so schaffen es die Praktiker

11. Juni 2019

Was kann die Baubranche tun, um die steigenden Wohnkosten in Schach zu halten?

Bauen muss digitalisiert werden, modulares und serielles, standardisiertes Bauen würde helfen, heißt es allenthalben – Ästheten befürchten daraufhin, der Plattenbau aus der DDR, anonyme Wohnblocks wie in München-Neuperlach oder Berlin-Marzahn könnten zum Vorbild für modernen Wohnungsbau werden.

Radikal günstig: mikroLOFTSs halten die Miete niedrig, aber sparen nicht an der Ästhetik.

Dass günstig bauen nicht hässlich bauen heißen muss, zeigt die Wohnungsbaugenossenschaft Familienheim Schwarzwald-Baar-Heuberg eG mit ihrem Projekt mikroLOFT. Ziel des Prototyps aus dem Jahr 2014 war eine Miete von unter 7 Euro pro Quadratmeter. Entwickelt wurde er in engmaschiger Zusammenarbeit mit einem Architekten und Fachplaner. „Die Wohnungen sollten ästhetisch ansprechend ausgestattet sein und beweisen, dass kostengünstiges Bauen nicht billig wirken muss“, erläutert Sebastian Merkle, Vorstand der 4100 Mitglieder starken Baden-Württembergischen Genossenschaft, die Voraussetzung für das Projekt. Und geht radikal ans Werk.

Sparpotentiale nutzen und zugleich mobilitäts-eingeschränkten Mietern entgegenkommen

Das erste mikroLOFT in der Roten Gasse in Villingen verzichtet auf Garagen und Keller und setzt stattdessen auf ebenerdige Abstellräume und Stellplätze. Die Fenster haben Standardgröße und Alu-Schiebeläden statt Roll- oder Fensterläden, es gibt kein Treppenhaus – das sind sichtbare Sparpotenziale.

Hinzu tritt die von Projekt zu Projekt raffiniertere Feinarbeit im Detail: Die Standardgrundrisse bleiben unverändert, Bewegungsflächen in der Wohnung werden so effektiv wie möglich genutzt, statt Badewannen werden bodengleiche Duschen verbaut und es gibt nur einen Schacht pro Wohnung, unabhängig von der Wohnungsgröße. Pro Geschoss spart das Konzept eine Ziegelreihe ein, was den Bau beschleunigt.

Bei den neueren mikroLOFT-Projekten wie in Bad Dürrheim werden die Abstellräume nicht mehr im Erdgeschoss angeordnet, sondern auf den jeweiligen Stockwerken, das bedeutet eine deutliche Erleichterung für Mieter mit eingeschränkter Mobilität.

Gebaut werden Ein- bis Vierzimmerwohnungen, der am häufigsten vermietete Wohnungstyp hat drei Zimmer.

Die größte Herausforderung kostenbewusster Bauherren: Materialknappheit und steigende Betonpreise

So will Familienheim die Miete auch im Neubauprojekt in Tettnang am preisintensiven Bodensee bei maximal 7 Euro pro Quadratmeter deckeln – üblich sind in der Region 12 bis 13 Euro. Völlig entziehen kann sich allerdings auch der kostenbewusste Bauherr den steigenden Baukosten nicht, sie wuchsen bei den mikroLOFTs von 1.727 Euro pro Quadratmeter (ohne Grundstück) im Jahr 2014 auf Vergabekosten von knapp 2.500 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2019: Wo unverzichtbare Baumaterialien wie Bausand knapper und teurer werden, steigt der Betonpreis unabhängig von allen Sparbemühungen. Umso wichtiger sind Kostendisziplin und kluge Materialwahl.

So viel kann die Baubranche also beitragen, um durch möglichst niedrige Baukosten bezahlbares Wohnen zu ermöglichen. Hier zeigt ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner, welchen Beitrag die Politik dem hinzufügen kann.

Stephanie von Keudell

Freie Journalistin