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Die Pandemie und ihre Auswirkungen auf den Immobiliensektor – die unendliche Geschichte

„Mamaaaa, wann sind wir endlich da?“ Eltern kennen diese Fragen von langen Autofahrten, die ungeduldigen Kindern unendlich erscheinen. So wie nicht wenigen von uns die Pandemie – schon in zwei Sommern dachten wir, wir hätten das Schlimmste überstanden, doch dann kam Omikron, und das ist noch nicht der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Beim BioNTech-Partner Pfizer rechnen Forscher damit, dass die Pandemie global bis 2024 dauert.

© shutterstock / August_0802
Was gestern noch eine Pizzeria war, ist morgen das Büro eines Start-Ups und übermorgen vielleicht schon ein schickes Loft. - Gerade die Wandelbarkeit von Räumlichkeiten bietet paradoxer Weise der Immobilienbranche Stabilität.

Das neue Normal

Folgerichtig schicken in den USA die ersten Unternehmen ihre Mitarbeiter bereits wieder ins Homeoffice: „I was wrong on this, I thought we would have been out of it past Labor Day and we’re not“, gestand Morgan-Stanley-CEO James Gorman seinen Fehler ein, die Mitarbeiter im Sommer 2021 wieder in die Büros zurückzubeordern. Apple schließt seine 16 Filialen in New York und in weiteren US-Metropolen. Die Bayerische Landesbank plant einem Bericht der Immobilienzeitung zufolge mit steigender Homeoffice-Quote oberhalb von 25 bis 30 % und Desk-Sharing und kalkuliert deshalb nur noch sieben Arbeitsplätze pro 10 Mitarbeiter.

So wächst die Erkenntnis, dass „nach der Pandemie“ erstens nicht in der allernächsten Zukunft liegen und dass es zweitens keine Rückkehr in die „alte“ Normalität bedeuten dürfte. Was bedeutet das für unsere Städte, für die innerstädtischen Immobilienmärkte?

Flexible Hybridmodelle für Arbeitsplätze

André Heid, Geschäftsführer der HEID Immobilienbewertung, ist optimistisch: „Die Ära der hybriden Arbeitsmodelle macht Büroimmobilien nicht überflüssig. Neue Arbeitsweisen benötigen neue Organisationsformen, weshalb kreative Arbeitsflächen und Raum für Zusammenarbeit in den Mittelpunkt gestellt werden sollten.“ Er fügt hinzu: „Der typische auf Einzelarbeit ausgerichtete Arbeitsplatz ist nun im Homeoffice wiederzufinden. Durch rotierende Systeme können zudem mehr Arbeitskräfte auf gleichbleibender Bürofläche beschäftigt werden.“ Die Zukunft gehört demzufolge der flexibel nutzbaren Bürofläche, die auf sich zukünftig ändernde Anforderungen angepasst werden kann. Eine Studie von demire/bulwiengesa sieht gute Renditepotenziale für Investoren vor allem an Sekundärstandorten mit wenig spekulativer Bautätigkeit.

Wiederbelebung von leerstehenden Gastronomieflächen

Wie steht es um Gastronomieflächen? Die Gastronomie wurde (und wird!) mit am schwersten von der Pandemie betroffen, sie hat viele Mitarbeiter wohl dauerhaft verloren, die ihr – ähnlich wie der Event- und Reisebranche – den Rücken gekehrt haben und in krisenresistentere Branchen gewechselt sind. Vorübergehend oder dauerhaft geschlossene Restaurants, Kneipen und Bars sind deshalb in den Innenstädten keine Seltenheit. Das dürfte weder die Attraktivität der benachbarten Einzelhandelsimmobilien steigern noch die Passantenfrequenz in den betroffenen Lagen erhöhen. Andererseits bieten diese Flächen Raum für Test- und Impfzentren, die wir angesichts der Dauerhaftigkeit der Pandemie vermutlich noch mehrere Monate, wenn nicht Jahre lang brauchen werden. Warum nicht Pop-up-Impfzentren dezentral in solchen Lokalen unterbringen? Gesundheit ist eine der zukunftsträchtigsten Branchen und nicht nur deshalb ein Publikumsmagnet.

Quartiere – mit dem richtigen Mix durch die Krise

Gemischt genutzte Immobilienprojekte tragen der 2. paneuropäischen Studie zur Passantenfrequenz von BNP Paribas Real Estate und LOCATUS zufolge entscheidend dazu bei, Innenstädte aufzuwerten und ggf. wieder zu beleben. Denn solche gemischten Quartiere unterstützen die Resilienz von Städten, weil sie verschiedene Personengruppen anziehen: Anwohner jeden Alters, Kunden, Büroangestellte, Patientinnen, Besucher … so entsteht urbanes Leben unabhängig von Öffnungszeiten. So sieht auch Catella-Chef-Researcher Dr. Thomas Beyerle die Zukunft der Urbanisierung nach Corona in einem Primat der intelligenten Quartiersentwicklungen. Insofern bedeutet auch diese Krise zwar jede Menge Belastungen, aber auch Chancen auf etwas positives Neues, das länger als nur eine Saison trägt.

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Stephanie von Keudell

Freie Journalistin

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