Anzeige

Grüner und größer – wie nachhaltig verändert der Home-Office-Trend unsere Wohnwünsche?

07. Mai 2021

Viele von uns sind seit über einem Jahr immer wieder oder immer noch im Homeoffice; das ist genug Zeit, um die eigene Wohnsituation unter dem Aspekt „Arbeitsplatztauglichkeit“ neu zu beurteilen. Dadurch wird vieles in Frage gestellt, was vor der Pandemie unkritisch nachgeahmt wurde.

EXPO REAL Picture, Gartenbüro mit Laptop, Smartphone, etc.Shutterstock, Maren Winter

Hat das Loft ausgedient?

Ein typisches Beispiel für diese Neubeurteilung ist der Trend zu offenen Wohnräumen, der sich in den letzten Jahren immer mehr durchgesetzt hat. Großzügige, lichtdurchflutete und miteinander verbundene Räume, Türen höchstens noch an Bad und Gäste-WC. Schick und loftartig, aber wehe, mehrere Personen müssen gleichzeitig daheim arbeiten – womöglich noch mit Telefon- oder Video-Calls. Absolut ungeeignet für den Alltag in der Pandemie mit Homeschooling und Homeoffice. Zukunftsforscherin Oona Horx-Strathern beschreibt die Situation: „Viele mussten sich in der Not in die Küche oder in den Wäscheraum zum Arbeiten zurückziehen, andere sind in den Gartenschuppen gewandert, um dort in Ruhe arbeiten zu können.“ Die Konsequenz ist klar: Wenn Arbeit und Privatleben nicht nur ausnahmsweise, sondern häufig oder sogar regelmäßig in den eigenen vier Wänden stattfinden, geht das nur mit mehr Raum und auch mit mehr Möglichkeiten zur Abtrennung und zum Rückzug.

Weg vom Asphalt ins Grüne

Die Notwendigkeit von Rückzugsmöglichkeiten innerhalb der Wohnung korrespondiert mit der Attraktivität von Rückzugsmöglichkeiten innerhalb des Wohnumfeldes – das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) erwartet eine zunehmende Abwanderung aus den (Innen-)Städten. „Mit dem Arbeiten von Zuhause könnte ein größerer Umkreis um die Metropolen attraktiv werden“, vermutete Prof. Dr. Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfeldes Finanzmärkte und Immobilienmärkte des IW, bereits im Sommer 2020. Wenn bisher der zeitliche und monetäre Aufwand fürs Pendeln einen Umzug ins Grüne verhindert hatte, darf der Arbeitsweg nun ruhig länger sein, wenn man nur noch ein- bis zweimal in der Woche am Arbeitsplatz präsent sein muss.

Punkten kann der ländliche Raum allerdings nur mit Breitband-Anschlüssen – Homeoffice und Homeschooling funktionieren zufriedenstellend nur mit einem stabilen Netz und das ist in Deutschland mancherorts immer noch nicht selbstverständlich.

Auch in puncto Wohnen wirkt die Corona-Pandemie also als Beschleuniger von Trends, die älter sind als Covid-19: Wie der Durchbruch des Online-Handels, so hat sich auch der Trend zum ruhigeren Wohnen bereits vorher angedeutet. Besonders die Altersgruppe um und über 40 zieht es aus den quirligen Innenstädten hinaus in ruhigere Gefilde, die allerdings gut angebunden sein müssen.

Teamarbeit in Satellitenbüros

Büroarbeitsplätze könnten den Arbeitnehmern zukünftig teilweise folgen: So hält Prof. Dr. Angela Million von der TU Berlin wohnortnahe Büroflächen für eine denkbare Alternative zum klassischen innerstädtischen Bürogebäude. So experimentiert etwa BASF aktuell mit sogenannten „Satellitenbüros“, das sind mehrere dezentrale Büroeinheiten zur Ergänzung der Arbeit in der Zentrale. Wenn man akzeptiert, dass Covid-19 nicht die letzte Pandemie sein wird, die wir erleben, könnten dezentrale, wohnortnahe Büroobjekte sich als vorteilhafter erweisen, denn das Büro dürfte zukünftig ohnehin in erster Linie der Begegnung und Kommunikation zur Förderung der Arbeit im Team dienen und weniger dem täglichen Absitzen einer vordefinierten Zahl von Arbeitsstunden.

Zudem sind wohnortnahe Begegnungs-Arbeitsstätten klimafreundlich – kurze Wege machen Autofahrten überflüssig und könnten so eine nachhaltigere, krisenfeste Stadtentwicklung ermöglichen und so die Krisenresistenz der Städte fördern.

Damit könnte sich eine solche Interpretation der Krise auch als Chance bewahrheiten – wenn wir auf die Herausforderungen intelligent reagieren.

Anzeige
Stephanie von Keudell

Freie Journalistin

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige