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Endlich zurück am Schreibtisch – aber nicht für alle!

11.06.2021

Im Oktober treffen auf der EXPO REAL Kapital, Projekte und jede Menge Menschen wieder aufeinander – und alle freuen sich. Die Freude ist nachvollziehbar, denn im schlimmsten Fall war Homeoffice angeordnet worden zwischen März 2020 und der zweiten Impfung irgendwann im August 2021. Dazwischen fand der Kontakt weitgehend via Maschinen statt.

„The Office“ – in Zukunft auf halber Strecke zwischen Home und Office?Copyright (c) 2020 Halfpoint/Shutterstock. No use without permission.

Der Prognosenebel lichtet sich

In den vergangen 14 Monaten war viel von „Covid hat die Digitalisierung beschleunigt“, „Neue Bürokonzepte müssen gedacht werden“ bis hin zu „Wir werden eine Halde von leerstehenden Büroimmobilien sehen“ prognostiziert worden. Was stimmt jetzt?

Entzaubert wurde schnell der Vorschlag des Bundesarbeitsministers unter der Parole „Homeoffice für alle“: auf den ersten Blick kurzfristig sinnvoll, da zumindest in die oftmals starre bürokratisierte deutsche Formalität der 5-Tage-Woche im Büro Bewegung kam. In der Umsetzung aber deutlich schwieriger. Zwar begrüßt die Mehrzahl der Unternehmen den Vorschlag, da er endlich zumindest einen rechtlichen Rahmen vorgibt, gleichwohl wird er eher als ein Flächenoptimierungsauftrag verstanden. Dabei geht es kurzfristig nicht um die grundsätzliche Einsparung von (Büro-)Flächen, sondern um Angebote, die das Homeoffice weniger im Zuhause zu sehen, denn im Angebot an CoWorking-Spaces.

Die Reaktionen sind aktuell eher sachlich-nüchtern geprägt von Arbeitnehmern, die das Angebot zwar begrüßen, aber zeitlich auf einen oder maximal zwei Tage pro Woche limitiert sehen möchten. Dieser Stimmungsumschwung lässt sich – neben der zumeist limitierten infrastrukturellen Ausstattung – gerade an der Kommunikationserfordernis, sprich soziale Interkation, erklären. Wichtig: Konzepte wie z. B. Hot Desking („die Maschine ordnet mir einen Platz zu“), welche bereits „vor Corona“ als Effizienzalternative eher angeboten denn nachgefragt wurde, fallen gnadenlos durch. Das „Recht auf einen eigenen Schreibtisch“ – und sei er auch noch so klein – bleibt auf der Wunschliste ganz oben. Damit geraten die Unternehmen in eine Zwickmühle.

Im Fokus: der Büroarbeiter und weniger die Digitalisierung

Ein Jahr später ist die ursprüngliche Euphorie und der latenter Effizienzgedanke im Homeoffice weitgehend verflogen, aber zugleich erkennbar, dass es ein Zurückdrehen zur „Montag – Freitag 8.00 – 17.00 Uhr“-Welt nicht mehr geben wird. Auch kristallisiert sich ein flexibleres, aber zeitlich entzerrtes Arbeitsbild heraus. 3:2 oder 4:1 sind die häufigsten genannten Gewichtungen zur Relation Bürotag vs. Homeworking. Mehr noch: Homeworking wird mittlerweile eher gleichgesetzt mit einem Tag in einem Coworking-Space aber nicht zwingend mit zuhause, denn technisch „läuft es ja geräuschlos“.

Auf halber Strecke…

…. zwischen Wohn- und traditionellem Büroarbeitsplatz wird dann wahrscheinlich die neue Geografie der Schreibtisch-Arbeit sein, denn das Coworking-Angebot der Unternehmen wird als essentieller Bestandteil seine Existenzberechtigung finden. Das gab es zwar schon „vor Covid“, doch die Erkenntnis, dass es zuhause für 86% der deutschen Dienstleistungsarbeiter keine realistische Möglichkeit für einen funktionalen Einzelarbeitsplatz gibt, welcher formale Vorgaben erfüllt, wächst dramatisch.

Schrei nach einem Besprechungsraum

Es wird sicher noch Jahre dauern, bis Unternehmen den richtigen Mix aus Bürofläche pro Beschäftigten und Kommunikationsflächen für sich individuell definiert haben. Was allerdings auch absehbar ist: Je zentraler gelegen und stärker an den ÖPNV angeschlossen, desto stärker der Wunsch ins Büro zurückzukommen. Investoren, Unternehmen aber auch Planungsbehörden sollten gerade diese Aspekte in den Vordergrund ihrer strategischen Überlegungen stellen. Gerade die Planer sollten auch den stummen Schrei nach einem „großen“ Besprechungsraum ernst nehmen. Vor Jahren noch der Effizienzforderung zum Opfer gefallen, wird er der zentrale Punkt der professionellen Kommunikation im Büro sein und erst dann die vielzitierte Kaffeeküche.

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Prof. Dr. Thomas Beyerle

Geschäftsführer von Catella Property Valuation GmbH

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