Künstliche Intelligenz: Der unbekannte Freund

6. Juli 2020

Der künstlichen Intelligenz hat der Immobiliensektor bisher oft nur marginale Beachtung geschenkt. Dabei ist ihr Potenzial immens und ihre Bedeutung wird von Befürwortern teilweise sogar mit der Erfindung der Elektrizität gleichgestellt. Richtig eingesetzt, könnte Künstliche Intelligenz auch in der Immobilienwirtschaft zu deutlichen Produktivitätsgewinnen führen. Ein Nachrüsten ist für die Branche besonders in Bereichen wie dem Datenmanagement unabdingbar.

KI-Anwendungsgebiete in der Logistik

Künstliche Intelligenz – von der Immobilienbranche unterschätzt?

Auf die Frage, welche Technologien in den kommenden drei bis fünf Jahren wohl den größten Einfluss auf Immobilienunternehmen nehmen werden, haben Immobilienexperten viele Antworten bereit – von Big Data und Blockchain über Internet of Things (IoT) bis hin zu Building Information Modeling. Eine Technologie wird jedoch seltener genannt, als es ihr Potential vermuten lässt: Künstliche Intelligenz.

In vielen Bereichen unserer Lebens- und Arbeitswelten übernehmen bereits speziell trainierte Algorithmen. Künstliche Intelligenz erleichtert unseren Alltag, indem sie spezielle Aufgaben oder Prozesse ausführt: autonomes Fahren, die Auswertung von Röntgenbildern, sprachgestützte Assistenzsysteme in Fabrik und Haushalt. Keine andere moderne Technologie hat ein derartiges Effizienzsteigerungspotenzial. Nach Auffassung des Google-CEO Sundar Pichai übersteigt Ihre Bedeutung sogar die des Feuers oder der Elektrizität.

Potenziale der KI-Anwendung

Unsere Branche ist bei der KI-Anwendung weit abgeschlagen. Dabei könnte diese im Bereich von Datenextraktion, Automatisierung, Analyse und Reporting zu deutlichen Produktivitätsgewinnen führen. Ein gutes Beispiel ist das Datenmanagement der Immobilienwirtschaft, das insgesamt noch analogen Mustern folgt. Zwar wurden viele Dokumentenbestände in den letzten Jahren mühevoll gescannt und in den Ordnerstrukturen der Unternehmen abgelegt. Dort liegen sie allerdings als rein statische Dateien vor. Sie sind schlicht vom Aktenregal in die digitale Ablage umgezogen und werden nach wie vor nicht ständig aktuell gehalten. Die enthaltenen Daten sind damit für darauf aufbauende Anwendungen unbrauchbar. Dabei ist die ständige Verfügbarkeit aktueller kaufmännischer, juristischer und technischer Daten insbesondere im Asset und Investment Management der Schlüssel zu einem effizienten Betrieb und faktenbasierter Entscheidungsfindung.

Mensch und Maschine

Es gibt, außer vielleicht in Bezug auf den kurzfristig erreichbaren Return-on-Invest, keinen Grund bei der Nutzung der KI-Potenziale weiter zögerlich zu sein. Man muss vor der Technologie keine Angst haben, darf aber auch nicht zu viel davon erwarten. Entgegen weitläufiger Befürchtungen wird Künstliche Intelligenz nach Expertenmeinung den Menschen auf absehbare Zeit weder ersetzen noch beherrschen. Heutige Technologieanwendungen liefern überragende Resultate, wie beispielsweise den Sieg über Großmeister im Schach- oder Go-Spiel. Doch nur in ihrem sehr begrenzten Feld sind diese KI-Anwendungen unschlagbar, bei einfachsten Aufgaben außerhalb ihres Kompetenzfeldes sind sie verloren. Der Mensch hat einen klaren Vorteil in Bezug auf Flexibilität, Phantasie und bei der Entscheidungsfindung in einem unsicheren und komplexen Umfeld. In der ausgewogenen Kombination der spezifischen Fähigkeiten von Mensch und Maschine liegt die Zukunft.

Thomas Herr

CEO EVANA AG