Wie kommt der Hotelsektor durch die Corona-Krise?

06.08.2020

Neben den Fluggesellschaften zählen Hotels zu den Haupt-Leidtragenden der Corona-Krise ‒ Einbrüche um fast 75% lassen die Zukunft des Gastgewerbes düster wirken. Mehr als Desinfektionsmittelspender sind nun vor allem intelligente Lüftungskonzepte gefragt, um Gästen einen virensicheren Aufenthalt zu garantieren. Dann kann der zunehmende Aufwärtstrend Grund für vorsichtigen Optimismus werden.

Die großen Verlierer der Krise

Das Frühjahr 2020 werden Hoteliers nicht so schnell vergessen. In Deutschland durften Privatreisende praktisch zwei Monate lang (von Mitte März bis Mitte Mai, je nach Bundesland) nicht in Hotels übernachten, bereits vor dem offiziellen Verbot erlebten knapp drei Viertel der Unternehmen aus dem Hotel- und Gastgewerbe einen schmerzhaften Einbruch ihrer Umsätze, hat Statista ermittelt.

Im Mai 2020 lag die Zahl der Übernachtungen um fast 75 % unter dem Vorjahreswert, insbesondere Reisende aus dem Ausland verbrachten um gut 90 % weniger Nächte in deutschen Hotels als im Mai 2019. Auch wenn die Reiseaktivitäten, besonders im Inland, allmählich wieder anziehen, bleibt das Gastgewerbe überdurchschnittlich betroffen: Entgangene Umsätze lassen sich, anders als beispielsweise im Einzelhandel, nicht nachholen, lukrative Veranstaltungen wie Unternehmens- und Familienfeiern können nur in kleinstem Rahmen, wenn überhaupt, stattfinden. Ob, wann und in welcher Größenordnungen Geschäftsreisen, eine wichtige Säule für das Geschäft vieler Hotels, wieder stattfinden können, steht keinesfalls fest. In einer Umfrage der dpa unter deutschen Konzernen zeigte sich breite Einigkeit in dem Bestreben, zukünftig vermehrt auf virtuelle Treffen zu setzen, diesbezüglich bestehen kaum Unterschiede zwischen etablierten Platzhirschen wie Deutsche Bank, Rheinmetall und Thyssenkrupp und dynamischen Online-Händlern wie Zalando und Kommunikationsprofis wie der Deutschen Telekom. "Die Pandemie hat hier als Katalysator fungiert und der virtuellen Zusammenarbeit einen weiteren Schub gegeben", so eine Sprecherin der Deutschen Post, nachdem bereits unter Umweltgesichtspunkten viele Unternehmen ihre Geschäftsreisebudgets reduziert hatten. Dennoch ist nicht nur BMW klar, „dass virtuelle Konferenzen den persönlichen Kontakt nicht vollständig ersetzen können“, schränkt eine Konzernsprecherin ein.

Um die Gäste aus privatem und beruflichem Umfeld zurück in die Hotels zu holen, folgen die Beherbergungsbetriebe der gesetzlichen Verpflichtung zur Erstellung eines Hygienekonzepts motiviert. Darin spielen allerdings Abstand und Handdesinfektion die Hauptrolle: Sie schlagen sich in Einbahnregelungen für Laufwege zum Büffet und zur Toilette nieder, lassen einst opulente Frühstücksbüffets zu freudlosen Ein-Mann-Aufschnittplatten unter Frischhaltefolie schrumpfen und fordern Schichtbetrieb im Speisesaal.

Intelligente Lüftungskonzepte gegen Aerosole

Wer seinen Gästen Zutrauen zu einem möglichst virensicheren Aufenthalt vermitteln will, darf jedoch nicht auf dem Kenntnisstand von März 2020 stehen bleiben. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Aerosole bei der Übertragung des Virus ganz vorne mit dabei sind, deshalb sind intelligente Lüftungskonzepte mindestens so wichtig wie Desinfektionsmittelspender. Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall hat für eine Handlungshilfe für lüftungstechnische Maßnahmen erstellt (Stand 10. Juli 2020), die auch dem Hotelgewerbe als Leitlinie dienen kann.

Sie fußt zusammenfassend auf dem Prinzip, so viel Außenluft wie möglich in geschlossene Räume einzubringen, in denen sich Menschen aus verschiedenen Haushalten gleichzeitig aufhalten. In Räumen ohne technische Lüftung ist dazu Querlüften alle 20 Minuten vorgesehen, und jeder muss sich klar machen: Gesundheitsschutz geht vor thermischer Unbehaglichkeit – etwas frösteln oder schwitzen in sonst klimatisierten Räumlichkeiten ist einer Infektion allemal vorzuziehen.

Technische Lüftungen sollten mindestens zwei Stunden vor und nach Benützung des Raumes oder Gebäudes auf Nennleistung laufen und bei Nichtbenützung mit abgesenkter Leistung weiterlaufen, um Ablagerungen zu vermeiden und kontaminierte Partikel abzuführen. CO2-gesteuerte Anlagen laufen optimalerweise mit einem reduzierten Sollwert von 400 ppm.

Sehr kritisch sind Umwälzlüftungsanlagen zur Heizung, Kühlung und/oder Befeuchtung, diese sollten abgeschaltet werden. Sich allein auf die Filtertechnik zu verlassen, ist vorläufig noch ein Vabanquespiel.

Hotelsektor in Deutschland nach wie vor attraktiv

Die vorsichtigen Lockerungen in Deutschland haben allerdings zusammen mit verantwortungsbewussten Hygienekonzepten dazu geführt, dass sich bereits wieder ein klarer Aufwärtstrend zeigt, so die Analyse von BNP Paribas Real Estate. „Vor allem erprobte Konzepte an Top-Standorten mit langfristigen Mietverträgen werden … weiterhin auf eine breite Investorennachfragen treffen“, fasst Alexander Trobitz, Head of Hotel Services der BNP Paribas zusammen. Das zeige sich in den starken Transaktionszahlen von Berlin, München, Hamburg und Frankfurt. Dass der Hotelsektor in Deutschland nach wie vor attraktiv ist, dafür spricht auch der Markteintritt der niederländischen Hotelmarke citizenM gerade jetzt: "Es war schon seit längerem absehbar, dass Deutschland als wirtschaftlich stärkstes Land Europas und begehrtes Reiseziel einer unserer nächsten Hotel-Standorte sein würde", begründet Klaas van Lookeren Campagne, CEO bei citizenM, seine Expansionsstrategie in den deutschen Markt. Für Optimismus ist es nie zu spät, vor allem, wenn durch kluges Management eine stabile Basis gelegt wird.

Stephanie von Keudell

Freie Journalistin