So fließen internationale Kapitalströme nach Deutschland

1. April 2019

Der Großteil ausländischer Investitionen floss 2018 aus EMEA nach Deutschland, während Kapitalflüsse aus anderen Wirtschaftsregionen Rückgänge zu verzeichnen hatten. Umso günstiger sind die Prognosen für kommende Entwicklungen.

Internationales Kapital fließt primär in Großdeals

EXPO REAL - Internationales Kapital Deutschland
Internationale Kapitalströme nach Deutschland 2018 und im Fünfjahresvergleich.

Das Investmentfeuerwerk am deutschen Immobilienmarkt 2018 war primär durch Landmark-Deals in den TOP 7 geprägt. Vor allem ausländische Investoren konnten sich bei Großdeals ab 250 Millionen € aufwärts häufiger gegen die Konkurrenz aus dem Inland durchsetzen. Während insgesamt der Anteil des internationalen Kapitals am Marktgeschehen mit 23,7 Mrd. € bzw. einem Anteil von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr um 6 Prozent zurückging, lag dessen Beteiligung an Großdeals mit 53 Prozent des Transaktionsvolumens deutlich höher.

Aufgegliedert nach Weltregionen stammt der mit 23 Prozent größte Anteil ausländischen Kapitals aus EMEA. Der Zustrom belief sich auf 14,1 Mrd. € und ist damit entgegen dem rückläufigen Gesamttrend um 9 Prozent höher als 2017. Großbritannien landet hierbei auf Platz 1 (2,8 Mrd. €, 5 Prozent Marktanteil). Als „Gatekeeper“ erwerben insbesondere britische Asset Manager im Auftrag außereuropäischer Investoren deutsche Immobilien. Der Nahe Osten gewinnt zunehmend an Bedeutung, allen voran Israel (2,3 Mrd. €; 4 Prozent Marktanteil).

Investitionsrückgang der Region Americas voraussichtlich nur temporär

Nach Herkunftsländern stehen erneut die USA an der Spitze, die 4,2 Mrd. € in deutsche Gewerbeimmobilien investierten und damit zu 7 Prozent des Gesamtvolumens beitrugen. Die Reife des eigenen Heimatmarktes, restriktivere Finanzierungsbedingungen seitens der Banken und das erreichte Preisniveau in den Top-Märkten des Landes lassen den Blick über den Ozean schweifen, auch wenn ungünstigere Wechselkursentwicklungen eher dagegen sprechen. Wegen des rückläufigen Anlagevolumens vor allem aus Kanada verzeichnete die Region Americas insgesamt einen Rückgang von 11 Prozent, der aber nur temporärer Natur sein dürfte. Angesichts des begrenzten Produktangebots im eigenen Land schauen sich speziell core-orientierte kanadische Investoren in Deutschland um.

Positive Prognose für APAC-Marktneueintritte trotz Rückzug chinesischer Großinvestoren

Mit einem Minus von 36 Prozent auf 3,8 Mrd. € fiel der Rückgang binnen Jahresfrist aus der Region APAC besonders deutlich aus. Der politisch angeordnete Rückzug chinesischer Großinvestoren war ein entscheidender Grund dafür. Singapur und Südkorea stellten mit jeweils 1,5 Mrd. € die aktivsten asiatischen Nationen. Gerade Investoren aus dem asiatisch-pazifischen Raum prüfen angesichts ihrer sehr hohen Risikoaversion den deutschen Markt intensiv, was in den kommenden Monaten auch zu weiteren Marktneueintritten führen dürfte. Bestes Beispiel ist der Kauf des Frankfurter Eurotowers durch den taiwanesischen Finanzkonzern Fubon Life nach drei Jahren Marktsondierung. Auch von australischen Pensionsfonds erwarten wir zeitnah erste Käufe.

Matthias Leube

CEO, Colliers International Deutschland