Asien und Europa: Märkte im städtischen Wandel

22. Oktober 2019

Gleich zwei Panels nacheinander widmeten sich am EXPO REAL-Dienstag dem Verhältnis zwischen den Regionen Asien/Pazifik und Europa/USA, und zwar von beiden Seiten: Zunächst diskutierten Asien-Profis unter der Moderation von David Green-Morgan (Managing Director Asia Pacific Real Capital Analytics, Singapur) über Investmentstrategien unter dem Gesichtspunkt Rückflüsse und Risiko. Anschließend widmeten sich Profis für Europa-Investments der Frage, ob Investoren aus Asien in Europa nur Core-Investments suchen, oder auch für Alternativen offen sind.

Asien-Pazifik: Große Unterschiede zwischen den Märkten

In beiden Runden wurde deutlich, dass Asien-Pazifik so wenig homogen ist wie Europa.

Während beispielsweise Japan und Australien in Sachen Transparenz, internationalen Marktstandards und Umweltschutz auf Augenhöhe mit dem Westen agieren, sind China und Indien typische Emerging Markets mit den inhärenten Risiken wie etwa Russland und Brasilien. Kein Wunder, dass Eric Cheah (Head of Investment Union Investment Real Estate Asia Pacific) feststellt, dass deutsche Investoren Australien als Investitionsstandort besonders schätzen. Herausfordernder ist da schon Indien, wo Vertragsrisiken einen nicht zu unterschätzenden (Miss-) Erfolgsfaktor darstellen, hat Lee Timmins (CEO Eurasio Region Hines) beobachtet.

©shutterstock / Sean Pavone

Mit diesen Risiken korrespondieren die Chancen, die sich aus dem deutlich wachsenden Mittelstand, dem deshalb zunehmenden privaten Konsum und dem stärkeren Wirtschaftswachstum in diesen Regionen ergeben. Sie dominieren die vorherrschenden Investitionsstile: Opportunistisch und gegebenenfalls als Co-Investor bei defensiven Strategien, bei mehr Risikofreude beispielsweise in Logistikobjekte in China. Umweltschutz und nachhaltige Immobilien sind ein Thema. Gerade China hat verstanden, dass das dynamische Wachstum der Städte nur durch politische Anstrengungen zu managen ist. Mit der Umsetzung der notwendigen Maßnahmen tut sich China als zentralistischer Staat naturgemäß leichter als beispielsweise Indien, resümiert Lee Timmins.

Für die Diversifizierung der Assets asiatischer Investoren ist Europa elementar

Umgekehrt war Europa für Investoren aus Asien noch vor wenigen Jahren fast so etwas wie eine Terra Incognita. Shinji Kawano (Head of Overseas Property Investment, Tokio Marine Asset Management) erinnert sich an den Lernprozess, dass internationale Investments nicht aus Tokio zu managen sind, sondern die Zusammenarbeit mit Managern vor Ort erfordern. Aaron Min (Senior General Manager, Global Investment Banking, Hana Financial Investment) hat beobachtet, dass koreanische Investoren früher direkte Investitionen in Europa bevorzugten, angesichts des Renditedrucks nun jedoch auf spezialisierte Fonds und alternative Assets umschichten.

Ob Asien oder Europa: Die zentrale Zukunftsfrage liegt in der Gestaltung urbaner Lebensräume

Europa ist für asiatische Investoren zur Diversifizierung ihrer Portfolios und als Ausgleich zu ihren Dollarinvestments ein wichtiger Standort. Dabei sind weltweit dieselben Umwälzungen zu managen: Die Art, wie wir leben und arbeiten, verändert sich. David Rendall (Chief Executive of La Française Real Estate) gibt zu bedenken, dass die Bedeutung städtischer Infrastruktur immer mehr wächst. Insbesondere Transportprobleme gefährden die Verträglichkeit des notwendigen Wachstums. Deshalb werden gemischtgenutzte Projektentwicklungen immer wichtiger – Arbeiten, Wohnen, Lernen und Pflege müssen miteinander verzahnt werden, wenn Städte zukünftig lebenswert sein wollen. Damit schließt sich der Kreis zu einem der prägenden Themen dieser EXPO REAL – die Frage, wie städtischer Lebensraum zukünftig gestaltet werden kann.

Stephanie von Keudell

freie Journalistin